29. November 2013

TÜV SÜD Stiftung fördert Verkehrserziehung an Schulen

Realschule Immenstadt gewinnt Preis für innovative Verkehrserziehung

München/Immenstadt. Bahnwegbegleiter, Schulweg- und Fahrsicherheitstraining – bayerische Schulen tragen mit den verschiedensten Aktionen dazu bei, dass der Schulweg sicherer wird. Die innovativsten Konzepte prämiert die TÜV SÜD Stiftung in Kooperation mit der Landesverkehrswacht Bayern. Sieger des Förderpreis Innovative Verkehrserziehung 2013: die Bahnwegbegleiter der Staatlichen Knabenrealschule in Immenstadt/Allgäu. Sie erhalten den Förderpreis Innovative Verkehrserziehung am heutigen Freitag, 29.11., im Immenstädter Schloss.

Die gute Nachricht: Es verunglücken immer weniger Kinder im Straßenverkehr. Das zeigt der Blick in die Zahlen des Statistischen Bundesamts. 2012 sind insgesamt 73 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren bundesweit tödlich verunglückt – 13 weniger als im Jahr davor. Das entspricht einem Rückgang von gut 15 Prozent. Insgesamt ist in den vergangenen 20 Jahren das Tötungsrisiko für Kinder im Straßenverkehr gemessen am jeweiligen Bevölkerungsanteil um mehr als 80 Prozent gesunken. Dass die Jüngsten besonders auf dem Weg von und zur Schule gefährdet sind, zeigt der Anstieg der Unfälle während der typischen Schulwegzeiten. Die umfangreiche und immer besser werdende Verkehrserziehung leistet somit seit Jahrzehnten einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr insgesamt. Horst Schneider, Mitglied des Vorstands der TÜV SÜD AG und Vizepräsident der Deutschen Verkehrswacht, bei der Preisverleihung am 29. November 2013: „Das Siegerprojekt aus Immenstadt setzt auf eine einfache Formel für mehr Sicherheit: Eigenverantwortung stärken – Mitverantwortung schaffen. Ein Erfolgskonzept wie die Geschichte der Verkehrserziehung insgesamt.“

Risiko Bahnsteig

Überfüllter Bahnsteig, ausgelassene Pennäler, durchfahrende Züge, einsteigen, aussteigen – wer kennt das nicht: Vor Schulbeginn oder nach dem Unterricht werden Bahnsteige zur Risikoplattform. Das gilt besonders auch für den ländlichen Raum, wo Schulen ein großes Einzugsgebiet haben. Die Schüler der Knabenrealschule Immenstadt im Allgäu, Gewinner des diesjährigen Förderpreises, kommen aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Die Schule mit 450 Schülern gehört zu einem Zentrum mit insgesamt mehr als 1.200 Schülern. Von diesen pendeln 60 Prozent, insgesamt 25 Prozent kommen mit dem Zug. Für mehr Sicherheit auf der Schiene sorgen speziell ausgebildete Schüler. Insgesamt 20 so genannte Bahnwegbegleiter haben ein waches Auge im Zug, behalten den Überblick auf dem Bahnsteig, erkennen Gefahrensituationen und greifen notfalls ein. Geschult werden die jungen Sicherheitsexperten unter anderem von der Bundespolizei. Auf dem Lehrplan stehen Fallbeispiele, die Themen Gewalt und Zivilcourage sowie Exkursionen zu „Bahn und Sicherheit“. Nach der Schulung bekommt jeder Bahnwegbegleiter einen Ausweis, mit dem er sich legitimieren kann. Denn die Bahnwegbegleiter sollen auch ermahnen, wenn Mitschüler oder bekannte Schüler aus Nachbarschulen sich in Gefahr bringen oder auffällig im Zug oder am Bahnhof verhalten. „Das funktioniert hervorragend“, sagt Hubert Brunner, Verkehrserziehungslehrer und Initiator des Projekts. „Die Schulwegbegleiter-Bahn werden von den Mitschülern respektiert, selbst dann, wenn sie zurechtweisen oder Lehrer über gefährliche Ereignisse informieren. Denn sie machen das für die Sicherheit – das kommt bei allen an!“ Das Prinzip: Selbstverantwortung soll zur Mitverantwortung werden. Hinschauen wenn andere wegschauen das ist Zivilcourage! Für das Engagement gibt es am Ende der Schulzeit zusätzlich eine Anerkennungsurkunde von der Bundespolizei.

Sicherheit lernen vor Ort

Für noch mehr Sicherheit sorgt zusätzlich eine Sternfahrt mit allen neuen Schülern der 5. Klasse zu den einzelnen Abfahrtspunkten zum Vor-Ort-Sicherheitstraining. Am Sog durchfahrender Züge wird dort beispielsweise klar, wie wichtig es ist, die weiße Linie auf dem Bahnsteig nicht zu übertreten. Auf dem Lehrplan dabei stehen die Erkenntnis, dass die geschlossene Schranke auch dann nicht ignoriert werden darf, wenn man drauf und dran ist, den Zug zu verpassen oder gar das Gleis als Mutprobe zu nutzen.

Mit dem Projekt haben die Realschule und die Partner Bundespolizei, Deutsche Bahn und Länderbahn-ALEX nicht nur die Verkehrssicherheit im Blick. Sie sehen in der Verantwortung, die Schüler für sich und andere übernehmen, zudem einen großen pädagogischen Wert: „Voneinander lernen und aufeinander achtgeben, das ist es, was die Kinder aus dem Projekt mitnehmen“, so Brunner. „Zu Stoßzeiten sind teilweise bis zu 400 Schüler gleichzeitig auf dem Bahnsteig. Dann kann es schnell brenzlig werden, wenn gedrängelt oder geschupst wird. Wenn die anderen Schulen ähnliche Projekte durchführen würden, hätten wir sofort noch mehr Sicherheit.“

Die Verantwortung füreinander spielt bei den eingereichten Projekten insgesamt eine herausragende Rolle. So auch in der Grundschule Wolfertschwenden bei Memmingen, die den zweiten Platz erhielt. Wegen der vielen Baustellen am Ort, stand ein besonderes Verkehrstraining auf dem Programm. Zudem wurde gemeinsam mit den Bauleitern dafür gesorgt, dass der Schulweg entlang der Baustellen immer wieder angepasst wurde. Platz drei geht an die FOS/BOS in Ingolstadt, die ihren Schülern ein Fahrsicherheitstraining verordnete.

Der Förderpreis „Innovative Verkehrserziehung in der Schule“ ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert und wird von der Landesverkehrswacht Bayern und der TÜV SÜD Stiftung zum zweiten Mal vergeben. Ziel ist es, herausragende Verkehrserziehungsprojekte in der Schule zu unterstützen und bekannt zu machen. Damit lassen sich erfolgreiche bisher nur regional umgesetzte Ideen auf eine breitere Basis stellen – für die Sicherheit aller Schüler in Bayern.

Weitere Informationen unter www.verkehrswacht-bayern.de