TÜV SÜD Stiftung: Der beruflichen DNA auf der Spur

Heidelberg/München. Wie man mittels DNA-Analyse Straftäter überführt, das haben Schüler aus Baden-Württemberg nun im Lernlabor ExploHeidelberg gelernt. Dass sie dabei gleichzeitig ihrer beruflichen Zukunft auf der Spur sind, das ist das gemeinsame Ziel der TÜV SÜD Stiftung und der Stiftung der Deutschen Wirtschaft (SDW) im Projekt Lehramt MINToring. Dazu Dr. Ernst Schön, Vorsitzender der TÜV SÜD Stiftung: „Mit dem Projekt wollen wir Schüler für den Lehrerberuf in naturwissenschaftlichen Fächern begeistern, denn Pädagogen für Bio, Chemie, Mathe und Physik werden dringend gebraucht.“

Doch bevor der Täter gefunden ist und es mit der beruflichen Zukunft so richtig losgeht, sind im „Explo“ erst einmal einen ganzen Tag lang Durchhaltevermögen und Konzentration gefragt. Was ist DNA? Das wissen die 19 Schüler aus verschiedenen Schulen im Südwesten schon aus dem Unterricht. Wie kann man den genetischen Bauplan entschlüsseln und vergleichen? Das lernen die eventuell angehenden Lehrer von Dr. Fred Engelbrecht, Leiter des Lernlabors ExploHeidelberg: „Jetzt pipettieren Sie bitte genau 1,8 Mikroliter Wasser mit der roten Pipette in das Reaktionsgefäß.“ Vor der eigentlichen Analyse steht das filigrane Pipettieren der Proben. DNA, verschiedene Reagenzien, Wasser – alles muss im richtigen Verhältnis und im Mikroliter-Bereich sauber zusammengemischt werden. Für Theresa Kohlmüller (17) vom Helmholtz-Gymnasium in Karlsruhe kein Problem: „Als Schülermentorin für Molekularbiologie habe ich am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gelernt, wie man exakt mit Pipette, Spitze und Tube arbeitet. Das zeige ich jetzt anderen Schülern.“ Dr. Ernst Schön, Vorsitzender der TÜV SÜD Stiftung: „Studenten und Schüler begeistern andere für den Lehrerberuf in einem naturwissenschaftlichen Fach. So funktioniert Lehramt MINToring. Begeisterung ist das effektivste Mittel gegen Lehrermangel.“

Erst mal analysieren

Und genau darum geht es beim Projekt Lehramt MINToring: Schüler, die sich ohnehin für Naturwissenschaft und Technik interessieren, können schon früh ausprobieren, wie sich Studium und Ausbildung anfühlen, und auch wie es ist, als Lehrer vor einer Klasse zu stehen. Dazu werden sie in den letzten beiden Schuljahren intensiv von den MINToren der SDW begleitet und durchlaufen ein speziell für zukünftige Naturwissenschaftslehrer zugeschnittenes Programm, besuchen Vorlesungen, hospitieren im Unterricht, grübeln gemeinsam mit Profis über mathematischen Fragen und experimentieren in den Laboren mit Chemikern, Physikern und Biologen. „Für die Schüler ist es viel einfacher, einen Studenten zu fragen als einen Lehrer oder Dozenten“, sagt SDW-Stipendiatin Catrin Schuler. Sie studiert bereits Biologie und Mathematik auf Lehramt und steht den Schülern an diesem Donnerstag im Lernlabor mit Rat und Tat zur Seite. „Ich hätte mir das für mich damals auch gewünscht. Ich bin zwar grad für ein Praktikum auf dem Sprung nach Dublin. Danach will ich aber als MINTorin das Programm unterstützen.“

Stück für Stück den richtigen Beruf finden Damit die Schüler nach dem Abi die Laborbank nicht gleich wieder verlassen und der Übergang vom Klassenzimmer ins Auditorium erfolgreich gelingt, begleiten die MINToren die angehenden Studenten zudem noch in den ersten beiden Semestern. Denn die Hürde „Studienbeginn“ bringt den einen oder anderen doch noch davon ab, Lehrer zu werden. TÜV SÜD Stiftung und SDW sorgen hier für Kontinuität und unterstützen die Campus-Debüttanten mit Seminaren beispielsweise dabei, wie man Lernen an der Uni für sich organisiert oder sich die Zeit zwischen Studium, Job und Freunden am besten einteilt.

Der Lernerfolg in Sachen DNA-Analyse ist am Donnerstagnachmittag auf jeden Fall schon mal perfekt. Die Schüler haben die Tatortspur erfolgreich mit der DNA der Verdächtigen verglichen und den Täter überführt. Mehr Klarheit besteht jetzt auch in der Frage nach der beruflichen Zukunft: „Bio? Glaube ich nicht. Eher Mathe oder Physik. Aber auf jeden Fall Lehrer, na klar“, sagt Derek Aghoro (18) vom Reuchlin-Gymnasium in Pforzheim.